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Vom „Pöbel“ zum „Proletariat“

Sozialgeschichtliche Voraussetzungen für den Sozialismus in Deutschland

Von WERNER CONZE, Münster i. W.
Es ist bekannt und neuerdings auch durch RUDOLF STADELMANNS Buch über die Revolution von 1848 erneut hervorgehoben worden, daß der frühe Sozialismus oder Kommunismus in jenem Jahr noch kaum eine politisch gewichtige Resonanz im deutschen Volk hat finden können, während die französischen Sozialisten im gleichen Jahre ihre ersten hoffnungsvollen, wenn auch nur kurzfristigen revolutionären Erfolge erzielten. Auf der anderen Seite ist jedoch die deutsche Bewegung des „tollen Jahres“ weit mehr als nur eine „bürgerliche” Revolution gewesen. Breite Massen des vom „Pauperismus“ gepackten und zum „Proletariat” werdenden Volkes in Stadt und Land liefen wohl zeitweise mit den bürgerlichen Revolutionären und ihren verfassungspolitischen Parolen mit, waren aber doch schon drauf und dran, die „soziale Revolution“ voranzutreiben, die von der politischen Publizistik und von wach beobachtenden Beamten der deutschen Obrigkeitsstaaten bereits in den 40er Jahren befürchtet worden war. Ansätze dazu lassen sich in den meisten deutschen Landschaften nachweisen und ließen sich noch vollständiger und konkreter feststellen, wenn diese Frage schärfer als bisher monographisch erforscht werden würde. Soviel ist gewiß: es fehlte der „sozialen Revolution“ die zum wirksamen Durchstoßen erforderliche Beziehung von Führung und Massengefolgschaft. Wie einst im Bauernkrieg gab es zwar einzelne mitreißende Führergestalten und Demagogen, aber keine Zusammenfassung, weder persönlich noch programmatisch. Und die weithin revolutionär gestimmten Massen der Unterschicht waren überwiegend wissenssoziologisch noch kaum so weit emanzipiert, daß sie sich bedenkenlos oder gar mit Schwung und Überzeugung um der Revolution willen gegen die ihnen gesetzte Autorität in Staat, Kirche und Gesellschaft durchzusetzen willens gewesen wären, um so mehr, als revolutionäre Schulung, Disziplin und Organisation fast völlig gefehlt hatten. Gleichwohl darf trotz dieser Unreife zur „sozialen“ Revolution ausgesprochen werden, daß zu keiner Zeit im 19. Jh. die Unterschicht in Deutschland so in Bewegung geraten und so rebellisch geworden war wie 1848. Entstehung, Ausmaß und Eigenart der Unterschicht vor der Jahrhundertmitte zu untersuchen und der zeitgenössischen Auseinandersetzung mit diesem Problem nachzugehen, dürfte daher lohnend sein. Das Folgende sei mehr als Anregung und Entwurf denn als abschließendes Ergebnis verstanden.1

Während in Großbritannien in der Zeit zwischen dem amerikanischen Unabhänigkeitskrieg und der ersten großen kapitalistischen Weltwirtschaftskrise der 20er Jahre des 19. Jhs. sich die „Industrielle Revolution“ vollzog, hatte Deutschland noch weitab von einer Umwälzung ähnlicher Gewalt gestanden. Das änderte sich auch in den 30er und 40er Jahren nicht grundlegend; erst nach 1850 und 1870 wurde Deutschland von den beiden großen Industrialisierungswellen erfaßt, durch die sein Weg zum Industriesystem und zur führenden Industriemacht des europäischen Kontinents eingeleitet wurde. Doch kann selbst für diese Jahrzehnte in Deutschland nur eingeschränkt und abgeschwächt von einer „Industriellen Revolution“ wie in England gesprochen werden,2 da bei aller Wucht, bei allem Rausch, bei allem tiefgreifenden Wandel, der das ganze, nicht nur das wirtschaftliche Leben ergriff, doch die schonungslose Radikalität des Vorgangs fehlte, die für England bezeichnend gewesen ist. Denn als um 1850 eine stärkere Industrialisierung einsetzte, da brach sie nicht schlagartig herein, sondern da war dies eine Folge lang vorbereiteter ökonomischer und sozialer Bedingungen. Die aufgeklärten Fürsten der 2. Hälfte des 18. Jhs. hatten bereits die Tragfähigkeit ihrer Länder durch Förderung von Gewerbe und Industrie im Verlags- und Fabriksystem erheblich gesteigert. In den alten Gewerbelandschaften wie in Böhmen, Schlesien, Sachsen und den rheinisch-westfälischen Kleineisen- und Textilgebieten, war schon seit jener Zeit im „industriellen Ausbau“ ein früher Industrialismus entstanden — technisch zwar rückständig, aber doch auch in der 1. Hälfte des 19. Jhs. trotz krisenhafter Gefährdung in langsamer Entwicklung begriffen. Dieser Vorgang stand in Beziehung zu einer aufsehenerregenden Bevölkerungszunahme, die freilich nicht alle deutschen Staaten betraf und im einzelnen sehr verschieden stark war, je nach dem Grade des bereits erreichten Landesausbaus, der Tragfähigkeit, der Gewerbepolitik, der liberalen Agrarreform, der Bevölkerungspolitik, der Standort- und Verkehrsgünstigkeit sowie jeweils besonderer Faktoren.3 Die Bevölkerungszunahme, bewirkt durch die fallende Sterblichkeit, unter bestimmten Bedingungen wie im preußischen Osten nach der Bauernbefreiung auch durch vermehrte Heiraten und erhöhte Gebürtigkeit,4 hatte in älter ausgebauten Landschaften langsam, fast unmerklich, in noch weniger dicht besiedelten Gebieten wie z. B. den Ostprovinzen stürmisch eine Übervölkerung eingeleitet, die infolge der liberalen Agrarreformen und der Gewerbefreiheit sich z. T. verstärkte und zur Katastrophe zu führen drohte, als durch die Überschwemmung des deutschen Marktes mit billigen Erzeugnissen der englischen Industrie (vor allem in Textilien und Eisenwaren) die krisenempfindliche, kapitalschwache deutsche Industrie zu verfallen drohte und ins Stocken geriet. Das Mißverhältnis zwischen dem hohen Angebot von Arbeitskräften und der beschränkten Zahl von gewerblich-industriellen Arbeitsstellen wurde bis zu den 40er Jahren immer stärker. Rückgang der Reallöhne und Arbeitslosigkeit waren die Folge; und ungeschützt fielen die Menschen in Land und Stadt der Massenverarmung, dem „Pauperismus“ anheim, wie das aus England übernommene Schlagwort lautete. Dieser Pauperismus ist in Deutschland viel weniger eine Folge der jungen Industrie mit ihren niedrigen Löhnen als vielmehr der noch zu geringen Aufnahmefähigkeit der Industrie angesichts der fortschreitenden Übervölkerung gewesen. Im Pauperismus trat die Not der übermäßig stark angewachsenen Unterschicht zutage, das Massenelend der von den Zeitgenossen immer wieder als „Übergangsperiode” empfundenen Jahre, in denen die Bindungen der Ständegesellschaft unwiderbringlich dahinschwanden und neue Verfassungsformen einer industriellen Gesellschaft, die ja erst in ihren Anfängen sich zu bilden begann, noch nicht gefunden waren. Im Pauperismus wurde mit Erschrecken eine neue Erscheinung gesehen, die etwas grundsätzlich anderes war als die Armenfrage oder das Dasein der Besitzlosen und Dienenden im herkömmlichen Sinn. Dieses prinzipiell Andersartige, das in Deutschland in den 30er und 40er Jahren ins Bewußtsein trat, wurde in jener Zeit durch den Begriff des „Proletariats“ ausgedrückt, womit zugleich der ältere Begriff des „Pöbels“ abgelöst oder zumindest in seiner Anwendung eingeschränkt wurde. In diesen beiden Worten liegt im Grunde alles beschlossen, wodurch die Entwicklung zum Pauperismus erklärt werden kann. Fragen wir daher zunächst danach, was diese Worte meinten.

Das Wort „Pöbel“ — schon im Mittelhochdeutschen aus dem Französischen pöble (lat. populus) entlehnt — bezeichnet weit mehr als unsere Vorstellung vom gemeinen Haufen mit verächtlichem Nebensinn. Pöbel — das war das Volk unterhalb der ständischen Geltung „außerhalb der Ehren der Arbeit“ (W. H. RIEHL). ES war die zahlreiche Schicht unterhalb der Vollbauern und zünftigen Handwerksmeister, gleichsam die Unterständischen, die aber doch ständisch gebändigt waren: „Ordo plebejus“ oder „Pöbelstand“.5 — Diese Schicht unterhalb der ständischen Ehre war stets in der Gefahr bitterer Armut, da die Zahl ihrer Erwerbsstellen beschränkt blieb und sie in ihrer Grenzexistenz gegenüber Krisen und Katastrophen besonders anfällig war. Die unterständische Schicht war nicht überflüssig. Vielmehr war die ständisch-herrschaftliche Gesellschaftsordnung auf sie angewiesen, da Dienstleistungen überall verlangt wurden und der selbst dienstpflichtige Bauer Gesinde und Tagelöhner nicht entbehren konnte, sofern er nicht als Kleinbauer selbst der Unterschicht naherückte. CARL FRIEDRICH v. BENEKENDORF sagt in seiner Oeconomia Forensis,6 daß die Häusler und Büdner auf dem Dorfe zu den nützlichsten Dorfeinwohnern gehörten, da sie unentbehrliche Arbeitskräfte seien. Und sehr bezeichnend setzt er hinzu: die noch unter ihnen stehenden, völlig landlosen „Einlieger“, die bloß eingemietet seien, ständen zwar gleichfalls für Arbeiten zur Verfügung. Doch handele es sich „meist um schwächliche Personen, und in ihrer Menge sind sie eine Gesellschaft von alten Weibern“.7 Diese Aussage BENEKENDORFS, die aus der Anschauung seiner neumärkischen Heimat gewonnen sein dürfte, gibt den allgemeinen Zustand gegen Ende des 18. Jhs. richtig wieder und sagt vor allem etwas prinzipiell Wesentliches aus. Die Menschen der ländlichen Unterschicht waren „nützlich” und hatten ihre „Nahrung” auf der Grundlage einer kleinen Parzelle, einer mageren Kuh auf der übersetzten Gemeinweide und gelegentlicher oder regelmäßiger Lohnarbeit. Unter diesen aber lag die Kümmerform, die noch elender war als die Grenzexistenz des Häusler-Tagelöhners; es waren nur noch Alleinstehende, die eine Familie nicht mehr durchhalten konnten. Das Leben lief hier aus und pflanzte sich garnicht oder nur schwach, unehelich, d. h. aber wiederum in Kümmerform, fort. Die Grenze nach unten war unerbittlich festgelegt. Der „Pöbel” der ständischen Gesellschaft war auf engem Lebensraum begrenzt und in seiner Vermehrung gehemmt. Er war nicht minder als die Bauern durch die Tragfähigkeit und die Arbeitsverfassung des Dorfes in seiner Familienzahl festgelegt, wenn auch jede, noch so geringe, zusätzliche Erwerbschance auf dem Dorf der Vermehrung der unterbäuerlichen Schicht, nicht aber den in ihrer Höfezahl gleich bleibenden Bauern zugute kam. Daher die Vermehrung der unterbäuerlichen Schicht auch schon in der ständischen Gesellschaft! — Das Verhältnis in der Stadt entsprach dem auf dem Dorfe. Das Volk unterhalb der zünftigen Meister kam nur insofern zur Familiengründung, als es seine, wenn auch kümmerliche „Nahrung” fand. Gewerbliche Unternehmungen im Verlags- oder Manufaktursystem übernahmen weithin die Funktion, Arbeitsstellen zu schaffen^ die der Unterschicht, im besonderen den nicht zum Meister aufsteigenden Handwerksgesellen als Familienbasis dienten. Auch diese städtischen Familien des „Pöbels” waren Grenzexistenzen, da ihr vielberufener Hungerlohn dazu zwang, daß die Frau und die Kinder mitarbeiteten — und zwar unter Bedingungen, die im Gegensatz zur bäuerlichen Familienarbeit gesundheitsschädlich und sittlich gefährdend wirkten. Die alte Regel, daß die Unterschicht in ihrer Fortpflanzung beschränkt blieb, verlor seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert Schritt für Schritt ihre Allgemeingültigkeit. — Gewiß läßt sich hierfür keine für ganz Deutschland zutreffende Formel zur Begründung anführen. Der Rückgang der Sterblichkeit genügt nicht zur Erklärung des Anwachsens der Unterschicht, da er alle Schichten, ja die oberen mehr als die unteren betraf. Auch die liberalen Agrarreformen und die Gewerbefreitheit können nur für einige Staaten, unter denen Preußen an erster Stelle steht, herangezogen werden. Das Fabrikwesen entfaltete sich nur in wenigen alten Gewerbelandschaften oder vereinzelt. Gleichwohl war seit der französischen Herrschaft, die aber gleichfalls nur als einer unter vielen Beweggründen angesehen werden kann, die Tendenz zur Emanzipation des „ordo plebejus” unverkennbar. HEGEL bereits beobachtete den Vorgang der „Erzeugung des Pöbels“.8 Der „Pöbel” wucherte über das Maß dessen hinaus, was die gebundene Gesellschaft für möglich und zuträglich gehalten hatte. Das meinte HEGEL, wenn er vom „Herabsinken einer großen Masse unter das Maß einer gewissen Subsistenzweise“ sprach, die zum Verlust des Ehr- und Rechtsbewußtseins führe und es unmöglich mache, „durch eigene Tätigkeit und Arbeit zu bestehen“. Daß mit diesem Übermaß etwas grundsätzlich Neues gegeben war, eben weil das Maß der ständischen Ordnung zerstört wurde, und daß damit der überwuchernde Pöbel eine drohende Frage an die politisch Verantwortlichen zu stellen hatte, auch das sah HEGEL in seiner Unausweichlichkeit: es komme zum Vorschein, „daß bei dem Übermaße des Reichtums die bürgerliche Gesellschaft nicht reich genug ist, d. h. an dem ihr eigentümlichen Vermögen nicht genug besitzt, dem Übermaße der Armut und der Erzeugung des Pöbels zu steuern“. Damit aber entstehe ein Unrecht. Der Pöbel, der durch eigene Arbeit seinen Unterhalt nicht mehr gewinnen könne, fordere ihn nun als ein Recht. Das war, wenn es wirklich eintrat, erregend im Sinne des französischen Begriffs der classes dangereuses. Denn wenn in der überkommenen Staats- und Gesellschaftsordnung dies Recht nicht zu verwirklichen war, wie konnte dann seine Realisierung anders versucht werden als durch Verfassungsänderung? Das Problem der sozialen Revolution war damit gegeben. Gewiß hatte der Pöbel auch früher aufgebehrt. In den sozialen Kämpfen des späten Mittelalters hatte sich dies sogar krisenhaft gesteigert. Auch in der beruhigteren Zeit seit der Mitte des 16. Jhs. wußte man: „Niemals aber ist der Pöbel verwegener, als wenn er sich gefürchtet sieht” (LOHENSTEIN). Das war jedoch nicht prinzipiell revolutionär gewesen, da es in der Regel nicht auf den Umsturz gerichtet war und die Zurückweisung in die Grenzen stets gelang. Nun aber trat der Pöbel über seine Grenzen und drohte das in sich abgestimmte Gefüge der Gesellschaft zu sprengen. Konnte er noch zurückgedämmt werden, oder lief die Flut bereits über den Damm und mußte mit neuen Mitteln in ein neues Bett geleitet werden?

War es in einer solchen Lage verwunderlich, daß zahlreiche deutsche Staaten — am wenigsten übrigens Preußen — durch eine sozial restaurative Politik den Damm noch einmal zu bauen versuchten? Man entsann sich der bevölkerungshemmenden Maßnahmen, die vor allem von den Gemeinden ausgeübt werden konnten, indem sie unerwünschten Zuzug oder wirtschaftlich nicht fundierte Heiraten untersagten.9 Der Oberpräsident v. VINCKE schrieb 1884 in einem Gutachten über die Zersplitterung der Grundstücke: „Das Glück der bürgerlichen Gesellschaft hängt vom Dasein vieler tüchtigen, gesunden, kräftigen, intellektuellen, sittlich gebildeten Menschen ab. Dies Glück ist im Widerspruch mit dem Dasein eines zahlreichen notleidenden Pöbels. Die Gesetzgebung muß also nicht unbedingte Volksvermehrung als Grundsatz aufstellen“.10 Und der alte FREIHERR VOM STEIN warnte noch kurz vor seinem Tode auf dem Provinziallandtag Westfalens vor der Gefahr, „die aus dem Wachstum der Zahl und der Ansprüche der untersten Klassen der bürgerlichen Gesellschaft entsteht. Diese Klasse besteht in den Städten aus dem heimatlosen, eigentumslosen Pöbel, auf dem Lande aus der Masse der kleinen Kötter, Brinksitzer, Neubauer, Einlieger, Heuerlinge; sie nährt und hegt in sich den Neid und die Habsucht“.11 Und der wegen seiner drastischen Vorschläge zur Empfängnisverhütung damals allgemein abgelehnte Mediziner WEINHOLD faßte in seiner Schrift „Von der Übervölkerung“ 1827 das Problem an der richtigen Stelle, wenn er im Geiste gebundener Gesellschaftsordnung und gegen die liberale Freilassung für folgende Gruppen die Fortpflanzung verboten wissen wollte: a) für alle Bettler und andere „außer der Ehe lebenden, verarmtesten Menschen“, b) für Arbeitsunfähige und Kranke, die von kommunaler Unterstützung leben, c) für „sämtliche männlichen Dienstboten, Gesellen und Lehrlinge in den Städten und auf dem Lande”, und gestatte ihnen die Ehe nicht eher, als bis sie im Stande sind, außer sich noch Frau und Kinder ernähren zu können“.12

Statistiken und Zitate für diesen Zusammenhang ließen sich häufen. Als Beispiel stehe das ländlich stark ausgebaute Lippe-Detmold, wo die Zahl der „Kolonate“ (Groß-, Mittel- und Kleinbauern) durch Vermehrung der kleinen Stellen von 1784 bis 1848 von 5,7 auf 7,6 Tausend wuchs, während die landlosen Einlieger von 3,5 auf 8,0 Tausend anstiegen.13 Dies ist ein krasses Beispiel der unterständischen Vermehrung, wie es zwar nicht überall so stark, aber doch fast überall grundsätzlich ähnlich verlief. Aus dem Braunschweigischen liegt schon im Jahre 1821, also keineswegs auf dem Höhepunkt der Bewegung, ein Bericht für die Regierung vor, in dem auf das frühe und leichtsinnige Heiraten hingewiesen wird. Die „dürftigen Kinder der Häuslinge“ heirateten, „ehe sie durch Dienen ein Bett, die gehörige Kleidung und das nötige Hausgerät erworben, oder die Handarbeiten, wodurch sie sich ihren Unterhalt verdienen sollen, gehörig erlernt haben; sie geraten in Armut. Gewöhnlich sind ihre Ehen viel fruchtbarer als die Ehen in anderen Ständen“.14
Bei solcher Entfesselung verlor der alte Begriff des Pöbels seine Bedeutung. Seine Ehen waren bisher ja gerade weniger fruchtbar gewesen als die der bürgerlichen und bäuerlichen „Ehrbarkeit“. Und zum Begriff des Pöbels hatte die Einengung, nicht aber die Expansion gehört. So wurde denn auch das Wort, das HEGEL noch verwendete, in seinem alten sozialen Sinne immer weniger gebraucht; und für den aus seinen Grenzen heeraustretenden Pöbel wurde seit den 30er Jahren das Wort „Proletariat“ üblich.
Auch der Begriff des Proletariers ist genau genommen nicht neu gewesen. GOETZ BRIEFS hat in seiner Dogmengeschichte dieses Begriffs15 für unsern Zweck ausreichend nachgewiesen, daß der altrömische „Proletarius“ zwar schon am Ausgang der römischen Republik seine ursprüngliche sozialrechtliche Bedeutung verloren hatte, daß aber das Wort in einem allgemeineren Sinne nicht verloren ging und seit dem Spätmittelalter wieder häufiger verwandt wurde, besonders in England, wo am meisten Anlaß dazu bestand. Aber auch in Frankreich und Deutschland wurde es in Anlehnung an das lat. proletarius neu aufgenommen. Es bezeichnete allgemein einen besitzlosen, von der Hand in den Mund lebenden Menschen. In Deutschland ist das Wort schon im 17. Jh. belegt. So spricht etwa KASPAR STIELER 1691 davon, daß „schlechte, pfuscherhafte Gewerbetreibende“ „nicht selten die größte Plage der Gemeinde und Quelle des schlimmsten Proletariats“ seien. Doch blieb das Wort im 18. Jh. selten, da man seiner kaum bedurfte. Als aber in den ersten Jahrzehnten des 19. Jhs. das „Übermaß“ des Pöbels zur drohenden Sorge wurde, da bürgerte sich — stark angeregt durch das französische prolétaire — für die von unten her Wuchernden das Wort ein. Das neue Wort entsprach der neuartigen Erscheinung des entfesselten Pöbels, der damit aufhörte, „Pöbelstand“ zu sein. Die zugespitzte Verwendung des Begriffs „Proletarier“ wird besonders darin deutlich, daß er schon vor SISMONDI mit der Zweiklassenlehre in Verbindung gebracht wurde.

Schon vor LORENZ VON STEIN und KARL MARX läßt sich auch in Deutschland beobachten, wie die Vorstellung einer als verderblich und gefährlich angesehenen Zweiklassenschichtung sich ausbreitete, noch ehe sie durch frühsozialistische Theorien ergriffen oder mit dem Industrialismus in Beziehung gesetzt wurde. So schrieb etwa der noch kaum von dessen Problemen berührte CARL BERTRAM STÜVE im Jahre 1832 von den zwei Klassen: „eine, welche jederzeit von ihrem Eigentume und dessen Früchten lebt, die andere, welche durch Anwendung ihrer Kräfte jene erstere bewegen muß, ihr soviel vom Eigentume der Dinge zu überlassen, als der Unterhalt erfordert“.16 STÜVE, der noch nicht die industrielle Gesellschaft, sondern den Spätfeudalismus im Auge hatte, da es ihm um das Ziel der Bauernbefreiung in sozialpolitischer Absicht ging, sah gleichwohl die soziale Krise seiner Zeit höher treiben; denn die Ansprüche der sich vermehrenden und notleidenden, „handarbeitenden Klasse“ wüchsen ständig, während die Mittel zur Befriedigung dieser Ansprüche bei dem starren Festhalten der „genießenden Klasse“ sich verminderten. So sei nicht nur die Not, sondern auch das Bewußtsein dieser Not im Wachsen. Diese Auffassung STÜVES ist für unsern Zusammenhang deswegen so bemerkenswert, weil hier noch vom Verhältnis der Grundherrn zum Landvolk der bäuerlichen und unterbäuerlichen Schicht ausgegangen wird. Es handelt sich hier also noch um den Kampf gegen die ständische Agrargesellschaft, die unter den Bedingungen der Zeit Klassencharakter anzunehmen im Begriff war.17 So ragte in Deutschland das alteuropäische „adlige Landleben“ (BRUNNER) in eine Zeit hinein, in der bereits der Begriff der „industriellen Gesellschaft“ geprägt worden war und in der dies Landleben selbst dem Satz ALBRECHT THAERS unterworfen wurde, die Landwirtschaft sei ein Gewerbe, „welches zum Zweck hat, durch Produktion (zuweilen auch durch fernere Bearbeitung) vegetabilischer und tierischer Substanzen Gewinn zu erzeugen oder Geld zu erwerben“.18 Von da aus hatte sich die Forderung der Bauernbefreiung ergeben — liberal gefaßt als das Freigeben der Bedingungen zur Entwicklung der „rationellen Landwirtschaft“, sozialpolitisch (wie bei STÜVE) gesehen als die Bildung eines gesunden bäuerlichen Mittelstandes, durch den die drohende Zweiklassenschichtung auf dem Lande überwunden werden sollte. Denn die Befürchtung wurde mehrfach ausgesprochen, daß auf das Unvermögen der Führungsschicht gegenüber den neuen sozialen Fragen die Schonungslosigkeit der Herrschaft des Kapitals, des freigelassenen, ethisch indifferenten Erwerbstriebs19 und die Schutzlosigkeit der besitzlosen Menschen folgen werde, „die entfesselte Richtung auf den Genuß des Irdischen“, der „praktische Atheismus“.20 Auf diese Weise wurde vor der sozialen Spannung gewarnt, die FRANZ V. BAADER 1835 in seiner Schrift über den Proletair mit den Worten bezeichnet hatte, daß „die Zivilisation der Wenigen nur durch die Unzivilisation, ja Brutalität der Vielen besteht”.
In den 40er Jahren gewann das Problem des Proletariers auf dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krise zunehmend an Eindringlichkeit. Wenn JOSEPH MARIA V. RADOWITZ im Jahre 1846 aussprach: »Das Proletariat steht in riesengroßer Gestalt da und mit ihm öffnet sich die blutende Wunde der Gegenwart, der Pauperismus“,21 so war ein solcher Ausspruch nichts Außergewöhnliches mehr. RADOWITZ hatte dem, LORENZ VON STEIN aufnehmend, die Überzeugung vorangestellt, daß die nächste Revolution keine politische, sondern eine soziale sein werde. Als weitere Steigerung kam hinzu, daß die neuen Lehren des Sozialismus und Kommunismus von Frankreich her auf Deutschland zu wirken begannen und mit dem Proletariat in Verbindung gebracht wurden, wenngleich die als Proletarier Bezeichneten selbst noch durchaus mißtrauisch gegenüber der Forderung eines proletarischen Bewußtseins waren und von den revolutionären Parolen entweder ganz unberührt blieben oder auch dann nur oberflächlich ergriffen oder gar abgestoßen wurden, wenn die Lehren der Intelligenzsozialisten sie erreichten. Aber gleichwohl: der Pauperismus in Stadt und Land wurde immer mehr zur Anklage; und sollten die hie und da in den 40er Jahren aufflackernden Unruhen und Streiks — mit dem Höhepunkt des Weberaufstandes in Schlesien — sich nicht steigern können: von Hungerrevolten zur Revolution im Geiste der sozialistischen und kommunistischen Propaganda? Das Gespenst des Kommunismus, von dem die berühmten Anfangssätze des kommunistischen Manifests sprachen, war in der Tat vorhanden. Schon sechs Jahre vorher hatte LORENZ VON STEIN geschrieben: der Kommunismus steht vor der Tür, „ein finsteres, drohendes Gespenst, an dessen Wirklichkeit niemand glauben will und dessen Dasein doch jeder anerkennt und fürchtet“. In dieser Situation prägte KARL MARX, vorbereitet durch LORENZ VON STEIN, seinen Begriff des Proletariats und mit ihm die letztmögliche Zuspitzung dessen, was mit der Verneinung der bürgerlichen Erwerbsgesellschaft durch die Existenz des Proletariats gegeben war. Das Proletariat als höchste Steigerung der menschlichen Selbstentfremdung sollte dazu berufen sein — und zwar nicht nur sittlich, sondern notwendig im dialektischen Prozeß der Geschichte —, diese Entfremdung revolutionär zu überwinden und die Versöhnung in der sozialistischen Gesellschaft herbeizuführen. In der Bildung des Proletariats bereite sich die letzte, entscheidende Emanzipation der Geschichte vor. Das Proletariat als eine „Klasse mit radikalen Ketten”, eine „Klasse der 21 Zit. Zeitscbr. f. Religions- und Geistesgeschichte 1, 1948, S. 124. bürgerlichen Gesellschaft, welche keine Klasse der bürgerlichen Gesellschaft ist“, … „weil das Unrecht schlechthin an ihr verübt wird“, könne nicht mehr auf einen historischen, sondern nur noch auf einen menschlichen Titel provozieren. Das Proletariat sei der „völlige Verlust des Menschen“; es könne also „nur durch die völlige Wiedergewinnung des Menschen sich selbst gewinnen“.22 Damit sei dann die bisherige, im Staat zusammengezwungene Gesellschaft aufgelöst und der Tag für die Befreiung des Menschen gekommen. MARX hatte den Ansatz zu diesem radikalen Begriff des Proletariats nicht aus der Empirie der Anschauung, sondern in seiner philosophischen Bemühung, in der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie gefunden. Doch es ging ihm um mehr als Philosophie. Er wollte die Philosophie „als Wille“ „herausgekehrt“ wissen „gegen die erscheinende Welt“.23 Mit solcher Verwirklichung der Philosophie sollte zugleich ihre Aufhebung verbunden sein. MARX suchte in diesem Sinne im Jahre 1848 die große Revolution in Deutschland zu gewinnen und ist daran gescheitert. Das „Gespenst“ verlor alsbald seinen Schrecken.

Es ist bemerkenswert, daß eine andere Stimme im Jahre 1848 dort, wo sie die „handarbeitende Klasse“ erreichte, eine ungleich größere Wirkung ausgeübt hat als die Agitation der Kommunisten. FRIEDRICH HARKORTS, des Unternehmers, „Bienenkorb-Brief“ an die Arbeiter wurde wirklich gelesen und aufbewahrt. Darin wurde ganz unphilosophisch empirisch, aber mit einem guten Instinkt für die Wirklichkeit der Begriff des Proletariats volkstümlich gefaßt: „Da spricht man viel von Proletariern, ohne das Wort zu deuten. Einen Proletarier nenne ich den, welchen seine Eltern in der Jugend verwahrlost, nicht gewaschen, nicht gestriegelt, weder zum Guten erzogen noch zur Kirche und Schule angehalten haben. Er hat sein Handwerk nicht erlernt, heiratet ohne Brot und setzt seinesgleichen in die Welt, welche stets bereit sind, über anderer Leute Gut herzufallen und den Krebsschaden der Kommunen bilden“. Ferner heiße er Proletarier die Trinker und Wüstlinge, die sich der Ordnung nicht einfügten und „den blauen Montag heiliger hielten als den Sonntag“. Diese beiden Arten von Proletariern bildeten „die echten Hilfstruppen der Aufwiegler”, der wurzellosen Intelligenz. Dem stellte HARKORT in alter Weise die Bewährung und Treue im Beruf entgegen: „Nicht aber rechne ich zu den Proletariern den braven Arbeiter, dem Gott durch die Kraft seiner Hände und den gesunden Menschenverstand ein Kapital verlieh, welches ihm niemand rauben kann, es sei denn durch Krankheit oder Alter … Diesen ehrenwerten Leuten muß geholfen werden durch Hebung der Gewerbe, Vorschußkassen, guten Unterricht für die Kinder und Sicherstellung gegen Krankheit und Invalidität“.24
Es deutet alles darauf hin, daß eine solche Ansicht vom Proletariat dem deutschen Arbeiter dieser Jahre, sofern er nicht schon alles Vertrauen verloren hatte, weit angemessener war als der Marxsche Begriff, dessen faszinierende Großartigkeit er gedanklich nicht mit vollziehen und den er allenfalls als einen Wunderglauben annehmen konnte. Dazu aber war er auch dann zumeist noch nicht bereit, wenn er der tröstenden Botschaft des Unternehmers HARKORT kein Zutrauen mehr entgegenbringen konnte. Er zog die Aussicht auf Sicherung seiner Existenz und die „Rettung der Proletarier aus der Schmach und Not des Pöbeltums“25 der kommunistischen Revolution der Literaten vor. Von solcher Sicht der Dinge konnte der junge WILHELM HEINRICH RIEHL aussprechen, daß das literarische oder „Geistesproletariat” als zersetzende Kraft im Kampf gegen die Ordnung den eigentlichen Grundstock des „vierten Standes” bildete, während das „Proletariat der materiellen Arbeit” nur die „abgeleitete” Gruppe des vierten Standes sei.
Halten wir diesen ausschließenden Gegensatz zwischen dem Proletariat von MARX und HARKORT fest, da wir ihn abschließend wieder aufnehmen werden, und fragen wir zunächst, welches Bild sich aus einer Sozialanalyse vor der Mitte des 19. Jhs. für unsere Fragestellung ergibt. Wir fragen dabei in einem doppelten Sinne: a) soziographisch, um einen objektiven Befund der sozialökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen zu gewinnen, und b) bewußtseinssoziologisch, um die Haltung der Zeitgenossen verstehen zu lernen. Sozialstatistisch ließe sich die „Erzeugung des Pöbels” und die Bildung des Proletariats am unmittelbarsten an kleinräumigen Beispielen, an Städten und besonders auch Dörfern nachweisen und erläutern. Doch wählen wir hier, um der Zufälligkeit und Singularität zu entgehen, Gesamtzahlen für den preußischen Staat, der in doppelter Hinsieht als geeignet zum Erfassen der Vorgänge erscheint. Einmal wurden in Preußen nach 1810 die liberalen Reformen besonders radikal durchgeführt, und zum andern hatte sich am Rhein, in der Grafschaft Mark, in Ravensburg in Schlesien und vereinzelt anderswo ein lebhafter Frühindustrialismus entwickelt. Das preußische Beispiel steht also in seiner Progressivität über dem deutschen Durchschnitt. Nach einer gewissenhaften, wenn auch nicht auf gleichmäßig exakten Zählungen beruhenden Berechnung des preußischen Statistikers DIETERICI,26 stiegen bei einer Bevölkerungszunahme von rd. 10 auf rd. 16 Millionen in den Jahren 1816 bis 1846 die einzelnen Klassen der „abhängigen Handarbeiter” folgendermaßen an (1816 = Index 100):

Fabrikarbeiter von 100 auf 243 Handwerksgehilfen von 100 auf 212 Tagelöhner von 100 auf 167 Gesinde, vorwiegend der Landwirtschaft von 100 auf 117 „Arbeiter” insgesamt: 100 auf 158.

Dies alles bei einer Steigerung der Gesamteinwohnerzahl von 100 auf 156. Daraus ergibt sich zunächst:

1. Die Gesamtzahl der „Arbeiter” scheint nur etwa gleich stark wie die Gesamtbevölkerung gewachsen zu sein. Doch muß dies scheinbare Bild berichtigt werden. Zunächst ist zu berücksichtigen, daß das Jahr 1816 schon einen fortgeschrittenen Zustand überdurchschnittlich angewachsener Unterschicht darstellt, wobei wir unterlegen, daß die von DIETERICI für dies Jahr geschätzten Ziffern die richtige Größenordnung treffen. Ferner ist die auffallend niedrige Zunahme des Gesindes darauf zurückzuführen, daß das Gesinde nach den napoleonischen Kriegen und während der Agrarkrise danach sich stark verminderte, das heißt wohl: in seine Familie zurückfloss. Diese Verminderung blieb in den westlichen Bezirken im großen und ganzen erhalten, während in den östlichen Provinzen mit ihrer stärkeren Arbeitsintensität nach den liberalen Agrarformen die Verminderung durch ansteigende Gesindeziffern nicht nur ausgeglichen wurde, sondern die Zahl des Gesindes sich über den Stand von 1816 hinaus wesentlich erhöhte.27 Setzen wir, um diese einmalige starke Verminderung am Anfang aus unseren Vergleichsziffern auszuschalten, statt 1816 das Jahr 1822 als Beginn und vergleichen wir es mit 1846, so ergibt sich ein für die Kürze eines Vierteljahrhunderts bemerkenswerter Zuwachs für die „Arbeiter“ im Sinne DIETERICIS von 41 auf 45,5 % der männlichen Bevölkerung über 14 Jahre.28

Aber damit noch nicht genug: Um ein vollgültiges Bild zu erlangen, müssten .die zahlreichen Menschen sozialstatistisch aufgegliedert werden, die nicht zu den „abhängigen Handarbeitern“ oder den Tagelöhnern (= „selbständig von Handarbeit lebenden Personen“) gehörten. Könnten wir dies tun, so würde sich, wie aus vielen Einzelangaben hervorgeht, herausstellen, daß sich die kleinbäuerlichen oder Parzellenbetriebe und der kleine Handwerks- (Ein-Mann-) Betrieb infolge der liberalen Reformen, des wachsenden inneren Marktes und des starken Bevölkerungsdrucks vermehrt hatten. Diese neuen Selbständigen“ im Sinne der Statistik waren aber in der Regel ökonomisch so kümmerlich fundiert, daß sie nur bedingt als „mittelständisch” bezeichnet werden konnten. Vielmehr handelte es sich bei ihnen häufig um „proletaroide“ Existenzen im Sinne SOMBARTS.

2. Wie wir sahen, entsprach schon die Gesamtzahl der eben bezeichneten „Arbeiter“ einem Anteil an der Gesamtzahl der männlichen Erwerbspersonen von 45,5%. Damit gehörte fast die Hälfte der Einwohnerzahl zum „Proletariat“ im damaligen Sprachgebrauch, und zwar noch ohne stärkeren Einfluß der Industrialisierung. Die „Proletaroiden“ aber müssen hinzugerechnet werden, wenn „Proletariat” und „Pauperismus” der 40er Jahre voll begriffen werden sollen. Jeder Versuch freilich, sie nach Zahl und Anteil zu bestimmen, muß daran scheitern, daß die Grenzen flüssig waren und es kaum möglich erscheint, sie sozialökonomisch oder sozialpsychologisch abzustecken. Daß aber mindestens 50-60 % der Bevölkerung nicht bürgerlich-bäuerlich behäbig und gesichert, sondern knapp, ja dürftig und in Krisenzeiten elend und gefährdet lebten, das geht aus unseren Zahlen und Überlegungen eindeutig hervor und wird durch eine Fülle zeitgenössischer Schilderungen aus allen deutschen Landschaften erhärtet.

Innerhalb der Schicht der „Arbeiter“ nach der Begriffsbestimmung der preußischen Statistik hatten sich zwischen 1816 und 1846 die einzelnen Gruppen bemerkenswert in ihrem Anteil verschoben. Setzen wir als Beginn wiederum nicht 1816, sondern aus dem oben angegebenen Grunde zur Berichtigung der Gesindeziffern das Jahr 1822, so ergibt sich:29

Männliche Personen über 14 Jahre der „Handarbeitenden Klasse“ in % der Einwohnerzahl der männlichen Personen über 14 Jahre
1822        1846
Berg- und Salinenarbeiter             0,6         1,1 Fabrikarbeiter                     2,5         4,2 Gewerbsgehilfen und Lehrlinge         8,8         11,6 Gewerblich-industrielle Berufe         11,9         16,9 Gesinde (zu 85% in der Landwirtschaft)     12,6         11,4 Tagelöhner und Handarbeiter (etwa zur Hälfte in der Landwirtschaft, dabei Eisenbahn- und Straßenarbeiter, weit überwiegend ländliche Unterschicht)                                             16,5         17,2 Vorwiegend ländliche Unterschicht in Landwirtschaft und ungelernter Tagelohnarbeit                             29,1         28,6 Summe der „Arbeiter“             41,0         45,5

In diesen Ziffern ist die beginnende Industrialisierung im Sinne eines verstärkten „industriellen Ausbaus“ zu erkennen — eine Tendenz, die sich in den 50er und 60er Jahren in weit stärker ansteigenden Ziffern für die gewerblich-industriellen Berufe fortsetzte.

Doch es ging tatsächlich um sehr viel mehr, als aus diesen Werten zu bemerken ist, in der Unterschicht vor. Der alte ständisch gebändigte „Pöbel” war zum „Proletariat” geworden, das von W. H. RIEHL mit dem Bürgertum zusammen als Stand der „Bewegung” den adligen und bäuerlichen Ständen des „Beharrens” gegenübergestellt wurde.
Diese Bewegung der überwuchernden Unterschicht aber führte in den 40er Jahren stärker denn je in den „Pauperismus” hinein. Alte Erwerbs- oder Unterhaltsquellen versiegten, neue wurden noch nicht in ausreichendem Maße erschlossen. In vielen Gegenden Deutschlands wirkte es sich verhängnisvoll aus, daß die unterbäuerliche Schicht des Dorfes bei den Gemeinheitsteilungen leer ausgegangen war und damit die Existenzgrundlage für ihre Kuh oder ihr Schwein verlor, die sie bisher mit auf die Gemeindeweide hatten treiben können. Dazu trat die den Zusammenbruch ankündigende Krise der Heimindustrien, besonders der Spinnerei und der Weberei, die durch das erst allmählich sich ausweitende Fabriksystem noch nicht ausgeglichen werden konnte. Die Enge der deutschen Wirtschaft jener Zeit muß, wenn wir die vorund frühindustriellen Sozialverhältnisse recht werten wollen, in ihrem ganzen Gewicht berücksichtigt werden. Die gewerbliche Wirtschaft litt an einem Überangebot von Arbeitskraft, an unzulänglichen Produktionsmitteln und an Kapitalmangel. Die knappen Konsumgüter standen für die wachsende Unterschicht nicht ausreichend zur Verfügung. Eine Aneinanderreihung von Elendsschilderungen sowohl der ländlichen Übervölkerung wie des Industrieproletariats erübrigt sich. Die Zahl der bekannten und mehr noch der ungedruckten Berichte der Zeit ist groß. Für weite Teile der Unterschicht traf es zu, daß sie „in irländischer Weise“, d. h. vorwiegend von Kartoffeln,30 dem „Proletarierbrot“31 lebte, wodurch vorwiegend die Tragfähigkeit des Landes für die wachsende Unterschicht so wesentlich erhöht worden war. Gegenüber dem alten Begriff der „Nahrung” als Familiengrundlage in der ständischen Gesellschaft wurde das Wort „Nahrungslosigkeit“ als Kennzeichen des Pauperismus geprägt.32

Doch müssen wir uns trotz der unbestreitbaren Richtigkeit all dieser Angaben und Schilderungen vor Übertreibungen und vor Verallgemeinerungen hüten, die von den schwersten Jahren unmittelbar vor der Revolution von 1848 ausgehen. Der Grad der Übervölkerung war uneinheitlich, und im Grunde waren die geringen Löhne noch darauf eingestellt, daß faktisch die Meisten doch nicht allein vom Lohn lebten. Es handelte sich noch nicht um Familienlöhne in dem Sinne, daß eine Familie ausschließlich vom Lohn des Familienvaters zu leben hatte. Das galt vor allem für die Tagelöhner mit eigener Parzelle und Kleinviehhaltung, deren Lohn im übrigen nicht allein in Geld, sondern auch in Naturalien wie Verpflegung und Bekleidungshilfe bestand. Das galt selbstverständlich für das Gesinde, das auch dort, wo damals bereits die Tischgemeinschaft mit den größeren Bauern aufzuhören begann, doch zum Haushalt des Bauern gehörte und solange in seiner Nahrung gesichert war, wie der Bauer selbst nicht in Krisen geriet oder durch Katastrophen getroffen wurde. Dasselbe galt für den Bergmann mit seinem Kotten und seiner Knappschaftssicherung in einem solchen Maße, daß er überhaupt aus dem Zusammenhang des Proletariats»und des Pauperismus ausgeschlossen bleiben muß, wie er sich ja auch später lange mit Erfolg gegen die Erfassung durch den proletarischen Sozialismus gesträubt hat. Das galt sogar für Arbeiter ohne jede Land- oder Naturalgrundlage insofern, als die Frauen- und Kinderarbeit das fehlende Geld für das Existenzminimum herbeischaffen konnte — freilich auf Kosten der Gesundheit, der Sitte und der Familie. Schließlich flössen zusätzliche Groschen, Nahrung oder Sachwerte durch die Mildtätigkeit von Kirchen, Gemeinden und Privaten, sowie durch Bettel und Stehlen der Kinder in die Haushalte der Arbeiter. Diese konnten auf solche Weise bei härtester Lebenshaltung und angespannter Arbeit in 12, 14 oder 16-Stundentagen ihr bescheidenes Auskommen finden, wenn nicht Schnaps und Bier den Haushalt und damit das Familienleben zerrütteten. Die industriellen Unternehmer, meist kleine, dem Handwerkertum noch nahestehende Fabrikanten, waren dazu gezwungen, die Löhne zu drücken,33 weil sie selbst um ihren Bestand kämpften und erst in den 40er Jahren unter dem beginnenden, jedoch noch nicht ausreichenden Schutz des Zollvereins zu wachsender Kapitalbildung gelangten. Erst diese schuf die Voraussetzungen zu Produktionsmittelinvestitionen und damit für vermehrte Arbeitseinstellung und besondere Arbeitsbedingungen. Die Aussicht auf Besserung der Verhältnisse, wie sie um 1850 wirklich eintrat, eröffnete sich für Kundige bereits mitten in den Not- und Hungerjahren vor der Revolution; und daraus ließ sich eine zuversichtlichere Sicht der Entwicklung gewinnen, als es gemeinhin unter dem Eindruck des Pauperismus zu geschehen pflegte.

Damit sind wir jedoch bereits an unsere zweite Frage herangekommen, die auf das Bewußtsein der Zeitgenossen zielt. Nach allem, was bisher angedeutet wurde, darf zunächst allgemein gesagt werden, daß die Erkenntnis von der Neuartigkeit des großen Sozialvorgangs, den wir als Übergang vom Pöbel zum Proletariat bezeichnet haben, verbreitet war.

Auch im Verhalten der eigentlich Betroffenen läßt sich dies feststellen. Zwar war die notleidende Unterschicht bis in die 40er Jahre noch weit entfernt von der Radikalität jener Parole der demonstrierenden Seidenweber von Lyon im Jahre 1831: Vivre libres en travaillant ou mourir en combattant. Aber sofern diese Alternative nicht ins Politische gezogen wurde, sondern einfach ein Ausdruck der keinen Rat mehr wissenden Verzweiflung war, hatte der Weberaufstand in Schlesien schon das Gleiche ausgedrückt. Wenn RUDOLF STADELMANN es ablehnt, die „proletarischen“ Unruhen in der Revolution von 1848 in ihrem Gewicht zu überschätzten, so ist das sicher richtig, insofern er das Ausbleiben einer politisch-revolutionären, proletarischen Bewegung in Deutschland meint. Doch sollte die wachsende Gärung in den ländlichen und städtischen Schichten des „Proletariats“ in ihrer Bedeutung doch ernster genommen werden. Nicht daß Sozialismus oder Kommunismus Wurzel geschlagen hätten! Das war in der Tat meist nur eine Angelegenheit von Intellektuellen34 — man denke an FRIEDRICH ENGELS in Barmen — oder von deutschen Proletariern und wandernden Handwerksgesellen als Vermittler des französischen Frühsozialismus, allenfalls von gelegentlichen und schnell vorübergehenden Stimmungen kleiner Gruppen oder erregter Menge. Aber stattdessen scheint mir folgendes der Beachtung und der weiteren Forschung wert zu sein:
Der proletarischen Unterschicht bemächtigte sich zunehmend das Gefühl, ausgeschlossen zu sein — und zwar in einer Zeit, in der nicht nur für den Bürger, sondern auch für den Proletarier die traditionellen Autoritäten nicht mehr unbestritten feststanden. Da die ständische Ordnung wankte, wurde auch die Stabilität eines Armenschicksals in dieser sich wandelnden Gesellschaft nicht mehr eingesehen oder einfach hingenommen. Das revolutionäre Zeitalter wirkte nach unten, sowohl auf dem Lande wie in den Fabrikstädten.

Daß es im Realteilungsgebiet des deutschen Südwestens, den alten Landschaften des Bauernkrieges, sich mit den spezifisch bäuerlichen Forderungen nach Aufhebung der Lasten verband, das bezeichnet die soziale Eigenart dieser Kleinbauerngebiete mit flüssiger Grenze zu der unterbäuerlichen Schicht. Anders im größeren Teil Deutschlands, der durch die scharfe Scheidung zwischen den Berechtigten der bäuerlichen Gemeinden und der Armen unterhalb der Gemeindeberechtigung charakterisiert war. Da scheint die Erregungsstufe mit dem deutlichen Wunsch, die bestehenden Verhältnisse abzuändern, doch größer gewesen zu sein, als es nach dem bisher nur unvollkommenen Stande unseres Wissens vermutet worden ist. Für die preußischen Ostprovinzen ist einiges darüber bekannt. Eine neue Untersuchung über das Land Braunschweig35 nördlich des Harzes, wo in fruchtbarer Bördelandschaft die Bauern schon damals rationaler — übrigens auch kirchenfremder — eingestellt waren als im Durchschnitt Deutschlands, hat gezeigt, daß in den 30er und 40er Jahren sich ein scharfer Klassengegensatz in den Dörfern ausbildete. In Braunschweig hatte eine sozialpolitische Gesetzgebung in der Restaurationszeit versucht, nicht nur den bisher beförderten Zuwachs der unterbäuerlichen Schicht einzudämmen, sondern diese auch in ihrer Freizügigkeit zu hindern, indem den Gemeinden, d. h. aber den berechtigten Vollbauern die Entscheidung über Ab- und Zuzug in die Hand gegeben wurde. Doch der Bevölkerungsdruck hielt an, und die unterbäuerliche Schicht wurde sich ihrer unentrinnbaren Abhängigkeit von einer sie ökonomisch und politisch beherrschenden Schicht von Bauern bewußt. Aus ihrer Lagebewußtheit ergab sich die Forderung nach Lageverbesserung. Schon 1830 wirkte sich die Julirevolution bei der unterbäuerlichen Schicht aus, die in vielen Dörfern sich zusammenrottete und laut ihre Forderungen vorbrachte, sodaß die besitzenden Bauern sich zu Selbstschutzorganisationen zusammenzuschließen begannen. Dies steigerte sich 1848 zu Unruhen und einer Flut von Bittschriften. 34 Landgemeinden richteten eine Adresse an den Herzog: „ … eine schleunige Bewaffnung der Grundbesitzer in den Dörfern ist dringendes Bedürfnis; … das Proletariat, die Masse der Besitzlosen, … fängt an, Besorgnisse, dringende Besorgnisse zu erwecken“.
Ein Bericht des Amtes Salder stellte fest: „Das Streben der Menschen ist z. Zt. vorzugsweise auf Besitzerwerbung gerichtet. Der Grund davon möchte hauptsächlich in der allgemeinen Aufklärung Liegen“.
„Allgemeine Aufklärung“ — damit scheint mir das grundsätzlich Wesentliche für den Bewußtseinswandel der Unterschicht ausgesprochen zu sein. „Aufklärung“ braucht dabei gewiß nicht Bildung oder Einsicht zu bedeuten, aber es heißt zweifellos, daß diese Menschen herausgerissen wurden aus ihrem unreflektierten sozialen Dasein, zu einem — wenn auch unklaren — Klassenbewußtsein herausgefordert wurden und in der allgemeinen Bewegung auch ihre Chance zu erblicken versuchten. Es war die erste Stufe ihrer Politisierung. Daß solches mit unklaren Vorstellungen, ja mit politischem Wunderglauben verbunden sein konnte und meist wohl auch verbunden war, das ist nicht erstaunlich. W. H. RIEHL hat uns dies für die Revolution von 1848 geschildert.
Insbesondere bei schon halb Entwurzelten wie den Eisenbahnarbeitern war solche „Aufklärung“ vorhanden und führte in den 40er Jahren hie und da zu Krawallen und zu Streiks.36 Über die Lagebewußtheit der Handwerksgesellen vor und in der Revolution von 1848 ist viel geschrieben worden. Wir dürfen uns STADELMANNS Urteil anschließen, daß ihre Unruhen auf Einfügung und Sicherung im Zunftgeist, nicht aber auf die sozialistische Revolution ausgingen. Ihre Bewegung steht in einer alten Tradition der Gesellenkämpfe, d. h. dem Aufbegehren innerhalb der gesetzten Ordnung, nicht aber einem Aufruhr gegen diese Ordnung schlechthin. Gleichwohl dürfen wir den Einschuß von „Aufklärung“ in dorn volkstümlichen, neuen Sinn auch bei dieser Schicht nicht übersehen, die zwischen altem Handwerk und neuem Fabrikwesen stand.

In dieser Lage, in der die Armen ebenso aus den alten Schranken herausbrachen und ihre materiellen Ansprüche stellten wie die anderen Schichten des Volkes, war es folgenschwer, daß sie nicht mehr genügend umgriffen wurden, weder in zwingender noch in sorgender Umfassung. Die patriarchalische Bindung an den adligen Herrn, die bei allen Belastungen doch eine sichtbar menschliche Beziehung gewesen war, war verloren oder im Schwinden begriffen. Die Revolution von 1848, durch welche die Patrimonialgerichtsbarkeit beseitigt wurde, räumte hier endgültig auf und fort. Die Fürsorge der Gemeinde, vor allem der bäuerlichen Gemeinde, die in erster Linie in der Mitnutzung der Gemeinweide zum Ausdruck gekommen war, ging verloren, weil die menschliche Beziehung des genossenschaftlichen Dorfes der liberalen Befreiung, der rationellen Landwirtschaft und einer verschärften Klassenscheidung zum Opfer zu fallen begann. Und nicht zuletzt lockerte sich auch die Geborgenheit der Menschen, die nun Proletarier genannt wurden, in der Kirche. Wie oft vertrat der Alkohol als Seelsorger die Stelle des Pfarrers! Wie oft fand dieser bei seiner engen Bindung an die obrigkeitliche Autorität von „oben” her nicht mehr den Weg zum Proletarier! Auch war die Zucht der Sitte bei der „niederen Volksklasse“ an der Grenze angelangt, die der ständischen Ehrbarkeit spottet. Verfall der Sitte aber hieß zugleich, daß christliche Sitte und christlicher Glaube aufhörten, wirklich zwingende Lebensmacht zu sein. Freilich lag auch hier nur eine Tendenz, nicht aber schon ein abgeschlossener Vollzug. Wollten wir die Geschichte des kleinen Lebens jener Tage befragen, so ließen sich für beides zahlreiche Belege anführen: sowohl für die Entfremdung von den christlichen Kirchen wie für das fromme Festhalten an Glauben und Sitte als Halt in der materiellen Not. Sicherlich handelte es sich um ein Extrem entfesselter Glaubenslosigkeit, wenn der Landrat von Beckum im Jahr 1844 berichtete, daß unter Anführung eines Bleichers etwa 1000 Mann in der Umgebung von Brackwede eine „revolutionäre Bewegung angezettelt“ und sich verschworen hätten, „künftig keine Religion und keinen Gott mehr anzuerkennen und ihre Beamten zu entfernen“. Die Geistlichen sollten nur Kost, Kleidung und Wohnung, aber kein Geld bekommen; die den Webern schädlichen Maschinen wolle man zerstören und „der Arme soll wie der Reiche Offizier werden können“.37 Im allgemeinen hatten freidenkerische Agitatoren mit ihrem „Losdreschen aufs Christentum“ (FREILIGRATH) keinen Erfolg, und wo durch die Erweckungsbewegung oder Anfänge christlich-sozialer Bewegung gerade die kleinen Leute angesprochen wurden, da konnten Ansätze zu einer Entwicklung entstehen, wie sie in England mit seinen Freikirchen, die den Sozialismus fernhielten, tatsächlich eingetreten ist. Das Ravensburger Land ist hierfür ein Beispiel. Doch war das nicht die Regel gegenüber dem allgemeinen Zug zur Entkirchlichung, und selbst für eine Stadt mit so ausgeprägt lebendigem christlichen Gemeindeleben wie Barmen ist diese Tendenz unter den eigentlichen Proletariern bereits in jener Zeit nachzuweisen.38 Erinnern wir uns daran, daß gerade Barmen schon in den 60er Jahren zu einer frühen Hochburg der Sozialisten wurde, als die Freidenker des Intellekts sich mit den Proletariern trafen, die das bürgerliche Christentum und die Kirche der Besitzenden ablehnten. Die Haltung des Standes der Bauern gegenüber dem Problem des Proletariats läßt sich kurz umreißen: Mit den Bauern konnte dort, wo nicht die Klassenscheidung wie im Beispiel Braunschweig schon entstanden war, solange ein Stück des progressiv-revolutionären Weges gemeinsam gegangen werden, als die Forderung der Bauernbefreiung noch nicht erfüllt war. Als dies geschehen war, blieb der Bauer, wie es W.H. RIEHL formuliert hat, als „Stand des Beharrens” vor den Thronen stehen und bildete hinfort das stärkste konservative Element der in Bewegung geratenen Gesellschaft. Auch hier hebt sich freilich das südwestdeutsche Realteilungsgebiet teilweise heraus. Der Bauernstand wurde im übrigen seit den 50er Jahren zunehmend von der Besorgnis vor der überwuchernden unterbäuerlichen Schicht befreit, da seitdem als Korrelat zur Industrialisierung die Landflucht der ländlichen Unterschicht einzusetzen begann.
Im bürgerlichen Mittelstand des Gewerbes, des Handels und der Bildung waren in den 40er Jahren die Sorge um das Proletariat, die Diskussion um den Pauperismus und die Vorschläge zur Lösung der „sozialen Frage“ weit verbreitet. Eine kaum übersehbare Flut von Broschüren und Artikeln39 bürgerlicher Philanthropen, Liberaler, Konservativer und Sozialisten erschien im Jahrzehnt vor der Revolution von 1848, viele rührend harmlos, viele aber auch bemerkenswert hellsichtig in der Anschauung und praktisch in den Vorschlägen. Man kann nicht sagen, daß damals das deutsche Bürgertum die Augen geschlossen und der großen sozialen Aufgabe gegenüber versagt habe.
Vielmehr kamen aus seinem Kreis genug der fruchtbaren Anregungen. Mehr aus der „Bürgerlichen Gesellschaft“ als vom Staat, der mit altbewährten, aber nicht mehr ausreichenden Methoden des „Polizeirechts” arbeitete, kamen vielfache Bestrebungen, die eine praktische Anpassung an den Wandel der Gesellschaft verraten.40 Von organisierter Wohltätigkeit und Hilfe in außergewöhnlichen Notzeiten gingen die Bürger bereits dazu über, Vereine und Unterstützungskassen ins Leben zu rufen. Das Sozialversicherungswesen begann durch bürgerliche Selbsttätigkeit und Initiative in den 40er Jahren und bildete sich dann weiter aus, längst ehe Bismarck die großen Gesetze zur Sozialversicherung von Staats wegen durchsetzte. An vielen Orten waren Ansätze dazu vorhanden, das Fabrikproletariat unter bürgerlicher Führung zu fördern, zu unterstützen und nicht zuletzt zu bilden — bis hin zu den Arbeiterbildungsvereinen der 40er und 60er Jahre. Sie waren dann freilich nicht stark genug, mit ihrem v o n allen Ideologien ihres Jahrhunderts gespeisten Bildungsbegriff dem zweiten, diesmal erfolgreichen, Ansturm des Sozialismus stand zu halten. Man wird sogar vermuten können, daß sie ihrem Feinde, dem proletarischen Sozialismus, indirekt durch ihre „Aufklärung”, d. h. ungewollte Politik sierung des Arbeiters Vorschub geleistet haben.

Das Zauberwort der „Assoziation“, das seit den 30er Jahren, von Frankreich übernommen, sich verbreitete und dem Verlangen nach neuer Gliederung der in Auflösung begriffenen Gesellschaft Ausdruck verlieh, erfaßte viele. Es wurde für die Lösung der „sozialen Frage“ im korporativ-konservativen, im liberal-gesellschaftlichen und im sozialistisch-revolutionären Sinne angewandt.41 Auch der preußische Staat schaltete sich fördernd und hemmend ein. Auf Grund einer Kabinettsordre vom 13. November 1843, „sich der verwahrlosten oder nötigen Aufsicht entbehrenden Kinder und der durch Krankheit und andere Unglücksfälle in Notgeratenen Armen“ anzunehmen, wurden die Oberpräsidenten aufgefordert, Vereinsbildungen anzuregen zur „Minderung oder Abwehr des aus dem Pauperismus oder aus der sittlichen Rohheit der niederen Volksklasse immer reichlicher hervorgehenden physischen, sozialen und sittlichen Verderbens“. Daraufhin bildete sich in Berlin anläßlich der ersten Gewerbeausstellung des Zollvereins im Sommer 1844 das Komitee eines „Zentralvereins für das Wohl der arbeitenden Klassen“, dem schnell Provinzial-, Bezirks- und Lokalvereine folgten. Doch die „soziale Bewegung“ war nicht mehr durch Staat und loyale Honoratioren im Sinne modernisierter Armenfürsorge zur Ruhe zu bringen. Liberale und sozialistisch eingestellte Intelligenz versuchte mehrfach, solche Vereine zum Forum ihrer Programmatik zu machen.42 Ja mehr als das! An mehreren Stellen, so in der Gegend von Bielefeld und Gütersloh,43 drängten sich tausende von Webern, Spinnern und Handwerksgesellen zu den Vereinsversammlungen, und damit drohte aus einer wohlbegrenzten Angelegenheit der bürgerlichen „Ehrbarkeit” eine Volksbewegung zu werden. Das wurde schnell unterdrückt, da dem Staat daran keineswegs gelegen war. Eine der wesentlichsten Stimmen aus dem besitzenden Bürgertum kam von FIEDRICH HARKORT. In seiner 1844 erschienenen Schrift „Bemerkungen über die Hindernisse der Zivilisation und Emanzipation der untern Klassen“ faßte er wohl alle ernst zu nehmenden Vorschläge der damaligen Zeit zusammen, soweit sie auf Eingliederung und nicht nur auf Betreuung des Proletariats zielten. Als ein Gipfel bürgerlichen Bewußtseins in der weithin charakteristischen Verbindung konservativer und liberaler Elemente stehe diese Schrift hier für viele andere, die wir gleichsam in dieser Stellungnahme HARKORTS aufgehoben wissen. Er sprach aus wirklicher Nähe und fühlte sich unmittelbar betroffen.

Als Praktiker industrieller Unternehmung war er gleich weit entfernt von weltfremd wohlmeinender Philanthropie wie von radikal prinzipieller Theorie. Er verband eine realistische Sicht von der Lage der „arbeitenden Klasse“ mit einem ungebrochenen Glauben an die Möglichkeit des sozialen Fortschritts durch die Mittel der Zivilisation und die sittlichen Kräfte verantwortlicher Liebe. Er glaubte an die Einpassung des Proletariats in die bürgerliche Gesellschaft. Aus dem Proletariat, das von den Verantwortlichen liegen gelassen, durch die zerstörerisch schädlichen Führer der Revolution zum „Totengräber der Staaten” zu werden drohte, sollte ein Arbeiterstand werden, der in Stadt und Land durch wirksame Maßnahmen in die bestehende Verfassung eingefügt werden sollte. HARKORTS Vorschläge waren weit umfassend, lagen aber alle im Bereich des praktisch Realisierbaren. Sie betrafen: die Hebung der Volksbildung als Voraussetzung für größere Lebensbefriedigung der „handarbeitenden Klasse”, vor allem aber als Grundlage für eine Erhöhung der Produktivität und damit des Volkswohlstandes. Darüber hinaus forderte er Arbeiterschutzgesetze, in denen die Kinderarbeit verboten und eine Höchstgrenze der Arbeitszeit festgesetzt werden sollte. 11-12 Stunden sah er noch durchaus als möglich an. Eine wesentliche Bedeutung maß er der Wohnungsfrage bei, die deswegen um so dringender wurde, als Wohnung und Arbeitsplatz durch den Industrialismus auseinanderzufallen begonnen hatten. Der Kotten des Bergmanns war für HARKORT das ideale Vorbild. Das kleine Haus mit Gartenland und Viehhaltung, die ländliche Wohnweise auch für den in der Stadt arbeitenden Menschen — das schien HARKORT mit Hilfe der modernen Verkehrsmittel möglich zu sein.

Die Pendler sollten entweder mit der Eisenbahn oder der Pferdebahn, die eigens zwischen Arbeitersiedlung und Arbeitsstätte hin- und herfahren sollte, auch längere Entfernungen leicht überwinden. Schließlich erfaßte HARKORT die Bedeutung der Assoziation in ihren vielfältigen Möglichkeiten, indem er Konsumvereine, Sparkassen, Krankenkassen nicht nur theoretisch vorschlug, sondern zugleich an den Statuten des „Unterstützung Vereins der Fabriken-, Spar- und Sterbekasse in Lüdenscheid“ nachwies. Mit all diesen Vorschlägen und praktischen Ansätzen gab HARKORT die grundsätzliche Linie der in den folgenden Jahrzehnten erst allmählich entwickelten Sozialpolitik bis auf unsere Tage an. Die Größe und die Fruchtbarkeit FRIEDRICH HARKORTS lag darin, daß er als Prototyp einer Minderheit von Wirtschaftsführern die zweckmäßige Steigerung von Technik, Organisation und Geschäft mit sozialer Verantwortung, Tatbereitschaft und idealistisch-christlich begründeter Bruderliebe verband.
Damit ist eine Frage angedeutet, die ins Zentrum unseres Problems trifft. Wache Christen dieser Zeit, in der weithin der feste Grund christlichen Glaubens verloren gegangen, um so mehr aber die Flamme sittlicher Überzeugung und religiöser Gesinnung zu entzünden war, erkannten, daß beides der gleichen Wurzel entstammte: der kalte Erwerbstrieb der Kapitalisten einerseits, die „krankhafte Revolutionierbarkeit“ (FR v. BAADER, 1835) der „arbeitenden Klasse“ andererseits. Beides erschien als Zeichen des durch das neue Wirtschaftssystem freigelassenen Egoismus und des Rückgangs wirksamer Nächstenliebe. Das meinte KETTELER, wenn er in seiner ersten Predigt über die großen sozialen Fragen der Gegenwart (1848) die ungebundene Schrankenlosigkeit des Eigentums der Besitzenden auf die gleiche sittliche Stufe stellte wie den Neid der Kommunisten und wenn er den „Unglauben und die Gottlosigkeit” dafür verantwortlich machte, daß die Eigentumslehre des hl. Thomas als die moralische Grundlage gerechter Gesellschaftsordnung im Schwinden oder gar schon verloren gegangen sei. Ketteler sprach es im Geiste der beginnenden christlich-sozialen Bewegung aus: „Nicht in der äußeren Not liegt unser soziales Elend, sondern in der inneren Gesinnung”. Längst vor KETTELERS Auftreten in Mainz war aus solcher Erkenntnis sowohl auf katholischer wie auf protestantischer Seite — bei beiden angeregt durch englische Vorbilder — der Gedanke an eine Erneuerung des christlichen Diakonats aufgetaucht. FRANZ V. BAADER war in seiner Schrift „Über das dermalige Mißverhältnis der Vermögenslosen oder Proletairs zu den Vermögen besitzenden Klassen der Societät…“ schon 1835 von der Überzeugung ausgegangen, daß aus rechter Konsequenz des christlichen Glaubens im praktischen Leben die Krankheit der Gesellschaft in der Zweiklassenschichtung überwunden werden könne.44 „Der Christ, sei er König, Hoherpriester oder der niedrigste Proletarier, könne nicht sagen: L’état, l’église c’est moi! oder ,diese Arme sind mein und ich kann sie beliebig zur Lohnarbeit oder zum Barricadieren gebrauchen.’ … Gott will, daß einer dem andern (seinem Nächsten) ohne Ausnahme dienlich und behilflich sei, und nicht bloß, wie man zu sagen pflegt, ihm nicht schade [neminem laedere]: als ob ein Glied eines Organismus dem andern nicht zu schaden anfinge, sowie es aufhörte, ihm zu dienen“. Den Klerus, der in der Degradierung des „Geistlichen“ „bis schier zur sozialen Nullität herabgekommen“ sei, wollte er mit der großen Aufgabe eines in die Verfassung eingebauten Diakonats zum helfenden Retter machen. Auf der protestantischen Seite suchte WICHERN45 die Kräfte der Bruderliebe eines christlichen Sozialismus in Fortbildung der lutherischen Berufslehre und des allgemeinen Priestertums zu entwickeln. Auch bei ihm führte sein Gedanke einer großen christlichen Assoziation weit hinaus über die bisher geübte christliche Wohltätigkeit. So sehen wir in beiden großen Konfessionen Deutschlands weitreichende Ansätze, die der gewandelten Zeit des kommenden Industriesystems gemäß waren. Und doch blieben diese Versuche trotz des Vielen, das schon damals praktisch geleistet wurde, auf halbem Wege stecken. Ganz abgesehen von der dogmatischen Schwierigkeit eines christlichen Sozialismus zumindest im Luthertum, wie es dann bei STOECKER und NAUMANN offenbar wurde, waren beide Kirchen bei ihrer engen Bindung an die bestehende politische und gesellschaftliche Ordnung um die Jahrhundertmitte nicht fähig, im Sinne BAADERS oder WICHERNS die Führung in der sozialen Frage zu übernehmen. Ihre Wirkung auf das soziale Verantwortungsbewußtsein war groß und ist sehr viel höher zu veranschlagen als es lediglich in den Leistungen der organisierten Inneren Mission oder Caritas nachweisbar ist. Denn sie trafen auch in diesen Jahrzehnten des wachsenden Materialismus die Gewissen der Menschen, von Unternehmern und verantwortlichen bürgerlichen Honoratioren, die dadurch nicht nur zu Almosen, sondern zu sozialer Tätigkeit aufgerufen wurden. Gleichwohl war trotz dieser Wirkung doch die Kraft der Kirchen zu schwach, um wirklich Staat und Gesellschaft von der Mitte christlichen Glaubens durchdringen zu können. Wie flüssig war der Übergang vom christlichen Glauben zur bloßen „christlichen Ethik“ und von da zum a-christlich-moralisch begründeten Humanismus. Wie dies sich auch im Einzelnen jeweils verhalten haben mag, so war doch ein Zusammenhang deutlich sichtbar: das „Verhältnis der Sitte zur bürgerlichen Entfesselung“. Darin sah W. H. RIEHL den Kern der sozialen Frage, die zuerst eine „ethische“ und erst in zweiter Linie eine „ökonomische“ sei.48 Die Entfremdung vom christlichen Glauben und der christlich gebundenen Sitte wuchs weiter, und das Proletariat wurde zwei Jahrzehnte später vom kirchenfeindlichen Sozialismus erfaßt, nachdem es „Aufklärung“ durch „Bildung“ erfahren hatte und aus seinem Klassenbewußtsein heraus zum Kampf um sein Recht sich bereit machte. Der Sozialismus aber errang bezeichnenderweise seine ersten großen Erfolge in den Jahren der Reichsgründung, als die Hoffnungslosigkeit des elenden Pauperismus, wie er die 40er Jahre erfüllt hatte, überwunden war, da die Arbeitsstellen in großer Zahl den Arbeitssuchenden zuwuchsen und die Reallöhne langsam im Steigen begriffen waren.

Das führt uns auf eine letzte Überlegung: Das Gespenst der großen sozialen Revolution, das in den 40er Jahren so häufig, angsterfüllt und sorgenvoll von den einen, drohend und zukunftsgläubig von den andern, beschworen worden war, büßte nach der stecken gebliebenen Revolution von 1848 seine Suggestivkraft ein, um es erst später auf neue Weise wiederzugewinnen. War das Gespenst nur durch die Gewalt des siegreichen Obrigkeitsstaates zurückgeschlagen worden, dem gegenüber auch die bürgerliche Bewegung hatte weichen müssen, oder sind innerlich wirksamere Kräfte am Werk gewesen, die dieser Gefahr ihre Unheimlidikeit haben nehmen können? Die Staaten hatten die Revolution niedergeschlagen und ihre Ordnung wiederhergestellt, und siei unternahmen nach ihrem Siege nichts Wesentliches, um durch staatliche Sozialpolitik den Pauperismus zu überwinden und den Proletarier sozial einzubürgern. Aber die entscheidende Wendung wurde nun ökonomisch herbeigeführt. Wie wir sahen, hatte sich das schon in den 40er Jahren vorbereitet. Männer wie FR. LIST, MEVISSEN oder HARKORT hatten es kommen sehen. „Ausbildung der gesamten Industriekraft der Gesellschaft“ — so hatte KARL HEINRICH BRüGGEMANN das Ziel im Jahre 1847 bezeichnet.47 Und FRIEDRICH LIST hatte schon 1839 den Begriff der „Nationalmanufakturkraft“ geprägt.48 Die Krisen- und Hunger jähre unmittelbar vor der Revolution 1848 dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß der industrielle und der agrarische Ausbau in vielen Gegenden Deutschlands voranschritten und der Wohlstand aufs ganze gesehen auch schon vor der Jahrhundertmitte in langsamem Steigen begriffen war. „Die Krankheit liegt für Deutschland nicht in der zu dicht gewordenen Bevölkerung, nicht in dem Maschinenwesens und in dem Übermaße der Fabrikinidustrie überhaupt, sondern sie liegt gerade in dem Mangel derjenigen Maschinen und Fabriken, welche unsern Arbeitern statt den englischen Arbeit und Verdienst schaffen sollen“, schrieb PETER FRANZ REICHENSPERGER im Jahre 1847.49 Zollverein, gesteigerte Kapitalbildung, sodann erhöhte Wirtschaftsinitiative, Gunst der Konjunktur und technologisches Aufholen nach der unvollendeten Revolution — all das wies in die gleiche Richtung. Nicht durch Zerstörung oder Behinderung der Maschine, sondern durch Technisierung und Rationalisierung sowohl der Urproduktion wie der industriellen Arbeit konnte das Problem der sozialen Frage gelöst werden, soweit es sich um ihre ökonomisch-organisatorische Bewältigung handelte. Das Problem hatte, wie wir sahen, in dem Mißverhältnis zwischen wirtschaftlicher Tragfähigkeit und angeschwollener Masse der Bevölkerung bestanden, sowie in dem Unvermögen, die vielbeklagte Ungleichheit der Besitz Verteilung zwischen Kapitalisten und Proletariern zu mildern. Die Hungerlöhne der 40er Jahre hatten ihren Ursprung nicht zuerst in der Gewinnsucht der Unternehmer als vielmehr im Zwang der wirtschaftlichen Enge gehabt. Es war der Höhepunkt einer Krise der „Übergangszeit“ gewesen, in der eine Rückkehr zur gebundenen Wirtschaft staatlicher Merkantilpolitik und zünftiger „Nahrungs“-Stabilität nicht mehr möglich war und in der alles darauf ankommen mußte, nach vorwärts durch-zustoßen. Bewußt oder unbewußt haben die deutschen Unternehmer danach gehandelt und damit dann freilich dazu beigetragen, daß dieser harte Durchgang auf Kosten der „handarbeitenden Klasse” erzwungen wurde. Aber vergessen wir nicht: diese Klasse hatte sich auf Grund der von uns angedeuteten Bedingungen schon ohne die Industrialisierung selbst produziert, ehe sie dann durch die erhöhte Tragfähigkeit als „industrielle Bevölkerung” (IPSEN) noch weiter in ihrer Zahl zunahm. Die Industrie führte trotz aller frühen Schonungs- und Rücksichtslosigkeit endgültig nicht zu ihrem Verderben, sondern zu ihrer Rettung. — Während seit der Mitte des Jahrhunderts (prototypisch) die Dreschmaschine auf dem Lande ihren Siegeszug antrat und die Überzähligen vom Lande vertrieb, wurden dadurch die Tagelöhner nicht brotlos, sondern frei gemacht für die Industrie, die sie aus der Gefahr der „Nahrungslosigkeit” herausführte. Wohl blieb dabei immer noch die „soziale Frage” bestehen — ja, sie wurde im Zusammenhang mit der raschen Groß- und Industriestadtbildung verschärft. Aber das Entscheidende war zunächst geschehen: die Arbeitsstellen waren geschaffen worden und wurden weiter geschaffen; eine relative Sicherung der Existenz wurde erreicht. Zwar waren die Lebensbedingungen noch immer knapp und „proletarisch“; aber sie lagen doch über dem Stande des Pauperismus der 30er und 40er Jahre und wurden im Laufe der Jahrzehnte weiter verbessert. Damit war der grundlegende Schritt zur Eingliederung des Proletariats getan. Mit dem Zustand verschwand allmählich auch das Wort „Pauperismus“.

In dieser Lage erhielt nun auch die vielerörterte „Assoziation“ ihren neuen Sinn. D. h: mit der fortschreitenden Industrialisierung wurde die gesellschaftliche Organisation zur Linderung der materiellen Not immer dringender, soweit diese in der Vereinzelung der Arbeiter begründet war. Vertrat man die Auffassung, daß nicht durch revolutionäre Verfassungsänderung, sondern durch Hebung der „Nationalmanufakturkraft“ der Weg in die Zukunft gefunden werden konnte, so konnte daraus konsequent auch die Einsicht folgen, daß dieser Weg nicht planlos beschritten werden sollte, daß die Gesellschaft neu in Form zu bringen war und den Besitzlosen durch zweckmäßige Zusammenschlüsse wirtschaftsgenossenschaftlicher Art geholfen werden müsse. In solchem Sinne schrieb HARKORT in der neuen Situation der 50er Jahre (i. J. 1856): „Suchen wir die Quellen der Armut auf, so finden wir Krankheit und Invalidität, Mangel an Sparsamkeit, Unwissenheit und Trägheit als stehende Faktoren. Mangel an Arbeit und Teuerung kehren periodisch wieder… Solchen Bedürfnissen zu beVomgegnen vermag weder die Kirche, noch die Privatwohltätigkeit; auch die Gemeinden sind zu schwach. Es gibt nur ein durchgreifendes sicheres Mittel: die „Assoziation“.50 In der Tat wurde auf dem oben schon angedeuteten Wege der Bildung von Kassen und Versicherungen fortgefahren, jedoch nicht in ausreichendem Maße und noch nicht von Staats wegen.

So konnte dann in den 60er Jahren das eintreten, was schon FRANZ v. BAADER auf Grund der Erfährungen in England 1835 warnend vorausgesagt hatte: „Wie könnt ihr euch doch wundern, wenn diese Proletarier … endlich auf den Einfall kommen, sich zu ihrem eigenen Vorteil zusammenzurotten oder wie sie sagen, zu assoziieren?“

Die Stunde der Gewerkschaften war nun gekommen, aber nicht unter bürgerlicher Führung, sondern in enger Verbindung mit der in den Jahrzehnten des Kaiserreichs zur Massenpartei aufsteigenden Sozialdemokratie. Sie konnte in das geistige Vakuum hineinstoßen, in dem sich die zum Proletariat gewordenen und sich zunehmend als Proletarier bekennenden „handarbeitenden Klassen“ befanden. Nur war die Zeit der Barrikaden vorbeigegangen, und die deutschen Arbeiter wollten im Grunde nicht das Risiko einer radikalen Revolution, sondern bejahten den Klassenkampf nur insoweit, als er zur Verbesserung ihrer materiellen Existenz diente und als er ihnen die Ehre ihrer Arbeit und ihres Standes erringen half. Tatsächlich erwies sich zum Wohle des Arbeiters in der Geschichte der Sozialdemokratischen Partei das Ziel der Eingliederung in die bestehende Ordnung sowie der Durchdringung und Wandlung der bestehenden Gesellschaft stärker als die radikalen Folgerungen aus der Theorie der Revolution.

So hat weder im revolutionären Umsturz noch in der These der bloßen Prosperität im liberalen Sinne die Lösung gelegen, die um die Mitte des Jahrhunderts zur Entscheidung stand. Vielmehr vollzog sich die Eingliederung des ehemaligen Proletariats während eines Jahrhunderts in stetiger Wechselwirkung großer Faktoren, die abschließend angedeutet seien: — 1) die fortgesetzte Erhöhung der Tragfähigkeit infolge der modernen Technik und Rationalisierung. Dies ermöglichte nicht nur das weitere Wachstum der Bevölkerung, sondern nicht minder eine fortgesetzte Erhöhung des materiellen Lebensstandards und der Reallöhne. — 2) Die „Assoziation“ der Arbeiterschaft in Gewerkschaften und Parteien. Ohne deren Nachdruck wäre dieser Prozeß nicht in dem Maß vorangetrieben worden, wie es tatsächlich der Fall gewesen ist. — 3) Die staatliche Sozialpolitik seit Bismarck. In ihr erkannte der über den Klasseninteressen stehende Staat seine Verpflichtung und holte das nach, wozu er in den Jahrzehnten des Pauperismus und Frühindustrialismus noch nicht fähig gewesen war. — 4) Die private Sozialpolitik fürsorgender und vorausschauender Unternehmer, die schon seit HARKORT darauf hingewiesen haben, daß eines der zentralen Verfassungsprobleme der industriellen Gesellschaft das der Betriebsgemeinschaft ist. — 5) Die christliche Verantwortung, die seit KETTELER und WICHERN nicht mehr zur Ruhe gekommen ist. Auf katholischer Seite führte sie seit der Encyklika „Rerum Novarum“ von 1891 zu Bemühungen, welche die Frage der gesellschaftlichen Gesamtordnung betrafen. — 6) Vergessen wir aber nicht ein Letztes, das nicht in den Akten, Schriften oder Statistiken unmittelbar greifbar ist, und doch alles bisher Angeführte durchdringt: nämlich den, einfachen Trieb des Menschen zu leben — und zwar nicht allein als Individuum, sondern als Glied der Familie. Zur Zeit des Pauperismus war der Mensch der sog. Unterschicht noch kaum aufgeweckt worden, er war in seinem traditionsgebundenen Bewußtsein der ständischen Gesellschaftsordnung noch nicht entwöhnt. Dann aber begann die „Aufklärung“, und auf sie folgte die Politisierung mit dem Glauben an politische Heilslehren. Heute — ein Jahrhundert nach dem Kommunistischen Manifest — ist der Mensch bei uns allgemein dieser Dinge müde geworden — sowohl im ehemaligen Mittelstand wie im ehemaligen Proletariat. Er will ganz einfach Mensch sein und hat die Neigung, sich aus dem öffentlichen zurückzuziehen, da dies ihn überfordert hat. Dies einfache Faktum, mit dem so schwerwiegende Probleme unserer Gegenwart verbunden sind, muß im besonderen Maße als Triebfeder zur Bereitschaft des ehemaligen Proletariers angesprochen werden, sich — wenn auch kämpfend — einzufügen und das „Proletariat“ hinter sich zu lassen. Das Verfassungsproblem der industriellen Gesellschaft aber, d. h. die Aufgabe, diese in Form zu bringen, nachdem die „Klassengesellschaft“ in den „Schmelztiegel“ (TH. GEIGER) geraten ist, steht auch heute in unverminderter Größe vor uns. Und dazu bedarf es nicht nur des Menschen im Privaten, sondern in der öffentlichen Verantwortung.

1 Der Aufsatz gibt in gering veränderter Form einen Vortrag aus dem Jahre 1953 wieder. 2 HANS LINDE, Das Königreich Hannover an der Schwelle des Industriezeitalters, Neues Archiv für Niedersachsen 1951, 413-443, weist mit Recht die Vorstellung „einer angenommenen oder behaupteten Allgemeingültigkeit der industrial revolution als idealtypisches Modell jeder Industrialisierung überhaupt“ zurück und prägt den Begriff des „industriellen Ausbaues“. Dieser Begriff trifft die deutsche Wirklichkeit solange gut, bis in der Gründerepoche der Schwerindustrie und der Eisenbahnen auch für Deutschland der Begriff der „industriel- 2en Revolution“ begrenzt angewandt werden kann. 3 Die Verschiedenartigkeit der Bevölkerungsbewegung in den einzelnen Teilen Deutschlands anschaulich auf der Karte über die Bevölkerung 1815-1870 bei HELMUT HAUFE, Die Bevölkerung Europas, Berlin 1935. Die grundlegende Bedeutung der Bevölkerungssoziologie für die Sozialgeschichte der industriellen Gesellschaft, früher schon durch die Arbeiten GüNTHER IPSENS erwiesen, wird neuerdings deutlich bei GERHARD MACKENROTH, Bevölkerungslehre, Berlin 1953. 4 Vgl. zuletzt GüNTHER IPSEN, Die preußische Bauernbefreiung als Landesaushau. Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 2, 1954, 29-54. 5 KASPAR STIELER, Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs oder Teutscher Sprachschatz, 1691. 6 Berlin 1775-1784. 7 AUGUST SKALWEIT, Benekendorfs Oeconomia Forensis. Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 1, 1953, 53 f. 8 Grundlinien der Philosophie des Rechts, §§ 244, 245. 9 Vgl. die Bedeutung der Hannoverschen Domizilordnung vom 7. Juli 1827 bei LINDE, a. a. O. S. 434. 10 Zitiert in dem für unser Problem ungemein materialreichen Buch von WILHELM SCHULTE, Volk und Staat. Westfalen im Vormärz und in der Revolution 1848 49, Münster 1954, S. 115. 11 Am 14. Januar 1831 im Provinziallandtag. SCHULTE, a. a. O., S. 499. 12 C. A. WEINHOLD, Von der Übervölkerung in Mitteleuropa und deren Folgen auf die Staaten und deren Zivilisation, Halle 1827, S. 45 f. 13 HERBERT HITZEMANN, Die Auswanderung aus dem Fürstentum Lippe, Phil. Diss. (Masdisdir.), Münster 1953, S. 29. 14 ERNST WOLFGANG BUCHHOLZ, Die Bevölkerung des Raumes Braunschweig im 19. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Sozialgeschichte der Industrialisierungsepoche. Phli. Diss. (Masdisdir.) Göttingen 1952, S. 8 f. 15 GOETZ BRIEFS, Das gewerbliche Proletariat, Grundriß der Sozialökonomik IX, Tübingen 1926, S. 162 ff. 16 CARL BERTRAM STüVE, Über die gegenwärtige Lage des Königreichs Hannover, Jena 1832, S. 16 f. 17 Ich kann dem Urteil LINDES, a. a. O. S. 440, nicht zustimmen: „Die Industrieentwicklung vollzieht sich also auf der sozialen und wirtschaftlichen Grundlage einer intakten Agrargesellschaft“. Tatsächlich war die Agrargesellschaft der 1. Hälfte des 19. Jhs. in Deutschland weithin überständig, wenn auch trotz liberaler Reform und „rationeller Landwirtschaft“ keineswegs eine „agrarische Revolution“ erforderlich war und vor sich gegangen ist. 18 ALBRECHT THAER, Grundsätze der rationellen Landwirtschaft, 4 Bde., 1809 — 1812, § 1. 19 Als Beispiel weitsichtiger konservativer Kritik vgl. J. M. v. RADOWITZ 1826: Der Leibeigene des Mittelalters sei noch im Schutze der Fürsorgepflicht des Herrn gewesen. „Jetzt aber bei dem Proletarier nimmt der Herr das Wesentlichste des Leibes, die Kraft, für sich und überlässt ihm in bitterer Ironie den Rest zu seiner Verfügung. Das ist die Folge davon, daß das richtige Verständnis von Dienen und Arbeiten verloren gegangen, das Erstere verworfen wird und nur das Andere gelten soll. Der Dienende unterwirft sich einer Person, der Arbeitende einer Sache… Es ist dies zwar nur eine Seite der großen Frage, aber sie zeigt schon genügend, daß der neuere Freiheitsprozeß oft genug nur ein Übergang aus der Unterwerfung unter Personen in die Unterwerfung unter Sachen, Bedürfnisse und Geld ist.” Ges. Schriften, 4. Bd., Berlin 1853, S. 5. 20 WILH. EMANUEL FRH. v. KETTELER, Predigten, hrsg. von J. M. RAICH, 2. Bd., S. 185, 187, Mainz 1878. (Aus Kettelers 4. Predigt 1848). 22 Zur Kritik der Hegelsdjen Rechtsphilosophie, Die Frühschriften, hrsg. von SIEGFRIED LANDSHUT, Stuttgart 1953, S. 222 f. 23 Dissertation, ebenda S. 17. 24 HARKORTS 9. offener Brief (Ende Mai 1849) mit dem Bilde des Bienenkorbs, abgedruckt bei SCHULTE, a. a. O., S. 319 ff. 25 KARL HEINRICH BRüGGEMANN S. JOHANNA KöSTER, Der rheinische Früh- Liberalismus und die soziale Frage, Berlin 1938, S. 44 26 Mitt. des Statist. Bureaus in Berlin 1, Berlin 1848, 68 ff. 27 Für diesen aus den Ziffern DIETERICIS hervorgehenden Sachverhalt vgl. bestätigend J. G. HOFFMANN, Die Bevölkerung des preußischen Staats nach dem Ergebnisse der zu Ende des Jahres 1837 amtlich aufgenommenen Nachrichten in staatswirtschaftlicher, gewerblicher und sittlicher Beziehung, Berlin 1839, S. 196 ff. 28 Jahrbuch für die amtliche Statistik des Preußischen Staates 2, 1867, 231 ff. 29 Ebenda, S. 231 ff., bes. 236 f. und 261 f. 30 Regierungsbericht aus dem Münsterland 1835 bei SCHULTE, a. a. O., S. 114. 31 FRIEDRICH SCHMITTHENNER, Über Pauperismus und Proletariat, Frankfurt (Main) 1848. 32 Deutsche Vierteljahrsschrift 1844, 3. H., S. 315 (»Der Pauperismus und dessen Bekämpfung). 33 Zahlreiche Berechnungen der Zeit kamen stets zu demselben Ergebnis, daß die Barlöhne nicht für das sehr bescheiden angesetzte Existenzminimum einer Familie mit mehreren Kindern ausreichten. Instruktive Beispiele hierzu in der Zeitschrift des Vereins für deutsche Statistik 1, 1847 und 2, 1848. Vgl. auch PAUL MOMBERT, Aus der Literatur über die soziale Frage und über die Arbeiterbewegung in Deutschland in der ersten Hälfte des 19. ]hs.} Archiv f. d., Gesch. des Sozialismus und d. Arbeiterbewegung 9, 1921, S. 174. 34 Vgl. die Phraseologie des Manifestes des „Ausschusses zur vollständigen Verwirklichung der Volksrechte” in Bamberg am 4. März 1848, als Auftakt zur Aktion des „jungen Deutschland” in der Stadt bei LUDWIG ZIMMERMANN, Die Einheits- und Freiheitsbewegung und die Revolution von 1848 in Franken, Würzburg, 1951, S. 240. Dort heißt es: Die „finstere Gestalt des Pauperismus“ rücke näher. „Der vierte Stand steht vor der Schwelle des Ständehauses und verlangt Einlaß in den Ständesaal … Er ist der mächtigste von allen … Noch ist der Communismus ein Phantom”. Das „Gespenst“ könne jedoch „Seele und Leben“ erhalten. 35 BUCHHOLZ, a. a. 0. S. 13 und 28. Vgl. dazu ähnlich auch ZIMMERMANN, a a. 0. S. 179 f. für Ober- und Mittelfranken bei Mischung von Realteilung und Anerbensitte. Ferner die sozialistisch-kommunistische Agitation unter Klein · bauern und ländlichen Proletariern in Franken, ebenda S. 360, und über deren Wirkung, S. 364. 36 SCHULTE, a. a. O., S. 521. VSWG 41,423 37 SCHULTE, a. a. O., S. 508. 38 Nach Mitteilungen von WOLFGANG KöLLMANN. Eine Monographie über die Sozialgeschichte der Industriestadt Barmen wird für den Druck vorbereitet. 39 Vgl. den nicht vollständigen, aber sehr umfangreichen und wertvollen Wegweiser von MOMBERT, a. a. O. 40 Hierzu wichtige Beispiele bei JOSEPH HANSEN, Rheinische Briefe und Akten zur Geschichte der politischen Bewegung 1830-1850. Publikationen der Gesellschaft f. Rhein. Geschichtskunde 36, Bd. 1, Essen 1919 Bd. 2, Bonn 1942. Ebenso bei SCHULTE, a. a. O. — Vgl. auch WOLFGANG K.öLLMANN, Wirtschaft, Weltanschauung und Gesellschaft. In: Hilfe von Mensch zu Mensch. 100 Jahre Elberfeider Armenpflege-System 1853—1953, S. 5 ff. 41 Beispiele für das westliche Deutschland bei HANS STEIN, Pauperismus und Assoziation. Soziale Tatsachen und Ideen auf dem westeuropäischen Kontinent vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jbs., unter bes. Berücksichtigung des Rheingebiets. International Review for Social History, edited by the International Institute for Social History, Amsterdam, I, Leiden 1936, S. 1-120. 42 HANSEN, a. a. O. I, 713 ff. Vgl. auch KöSTER, a. a, O., S. 71 ff. und vor allem die ergiebige Dissertation von NORA STIEBEL, Der »Zentralverein für das Wohl der arbeitenden Klasse” im vormärzlichen Preußen (Maschsdir.) Heidelberg 1922, S. 98 ff. 43 SCHULTE, a. a. O., S. 236 f., STIEBEL, a. a. O., S. 117 ff. 44 Vgl. ERNST BENZ, Franz von Baaders Gedanken über den Proletair. In: Zeitschr. f. Rel.- und Geistesgesch. 1, 1948, S. 107. 45 Vgl. MARTIN GERHARDT, Ein Jahrhundert Innere Mission, Bd. I, Gütersloh 1948, S. 37 ff. — J. H. WICHERN, Die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche. Eine Denkschrift an die deutsche Nation. Neu herg. von MARTIN GERHARDT, Gütersloh 1948. 46 WILHELM HEINRICH RIEHL, Die bürgerliche Gesellschaft, 6. Aufl. Stuttgart 1861, S. 448. 47 KÖSTER, a. a. O. S. 45. 48 Werke V, 1928. Neudruck: Sozialökonomische Texte 2, hrsg. von AUGUST SKALWEIT, Frankfurt (Main), 1946, S. 52 f. 49 Die Agrarfrage aus dem Gesichtspunkte der Nationalökonomie, der Politik und des Rechts und in besonderem Hinblicke auf Preußen und die Rheinprovinz, Trier 1847, S. 291. Ähnliche Stimmen vielfach in den 40er Jahren. Vgl. hierzu auch die aus der Statistik gewonnene optimistische Sicht DIETERICIS, die bestätigt wird durch FRIEDR. WILH. v. REEDEN, Erwerbs- und Verkaufs Statistik des Königsstaats Preußen in vergleichender Darstellung. 3 Bde., Darmstadt 1853/54. 50 Über Armenwesen, Kranken- und Invalidenkassen, Hagen 1856, S. 4.

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~ by Ross Wolfe on September 3, 2016.

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